Thema: Radio Ostseemelodie :: Seemannsgarn von unserem Zausel

Geschrieben von Chris am 08.04.2017 um 14:07
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Seefahrtsgeschichten: Zausels Bordgeschichten in der Schweiz

von kleinesrainer am 19.05.2007 (Artikel wurde seitdem 179x gelesen)


Moin und grüezi,

also denn will ich euch mal ne echte Seemannsgeschichte aus der Schweiz vertellen, weil ich ja weiss, dass das eine große Seefahrernation war und ist und das ist wahr. Und das kam so:

Als Moses an Bord und an Land musst du alles können und wenn du das nicht kannst, dann musst es lernen. Das is so die Filosofi von de Oberen an Bord, da kannst nix machen.
Und weil das die christliche Seefahrt ist, wie sie denn so heißen tut, dann muss der
Moses auch alle christlichen Dinge können, die da so im Leben vorkommen könnten.

Also zum Beispiel, Kreuztragen, weil ich immer hören muss: Das ist ein Kreuz mit dir. Oder da würde einer rufen und ich muss auf den Berg und muss beschriebene Schiefer-Tafeln abholen und so... Das muss ein Moses auch händeln (machen können).

Und wo sind schöne Berge?
Klar in der Schweiz. Und da die Schweiz auch Marine hat, war das ein Grund das dort zu üben. Man hätte auch Tirol nehmen können, aber die haben keine Marine.

Also wurde ich abgeteilt zur Marine-Winterkampf-Gebirgsausbildung als Marine-Wintergebirgs-Spezialist zur Ausbildung. Auf dem "Waffenplatz", wir würden sagen "Kaserne" gabs auch einen Bach, so dass die Verbindung zum nassen Element jederzeit gewährleistet war. Ich sollte auch noch die höhere Fachprüfung als Marine-Brieftauben-Soldat machen, aber der Kommandant, de Chef von de Chimborasso sagte klare Anweisung: "Auf See gift dat keine Brieftauben, da musst du die Möwen dressieren."

Weil die Post ja immer an der schwarz-gelben Postboje abgegeben wird. Aber weil mir das niemand zutraute, ging dieser Kelch an mir vorüber.

Die Gebirgsausbildung lass ich mal weg. Das ist ne andere Geschichte mit der schweineblonden Hütte und so, und übungshalber Steinplatten abholen und so, ich beschränk mich mol auf den Marineteil weil wir ja von de Chimborasso reden.

Also de Schweizer Marine war so nett und hat vom Bodensee zwei Schnellboote auf die Lastwagen geschnallt und sind damit über die Berge zum Vierwaldstättersee gefahren und haben die dort ins Wasser gelassen. Und als ich dort ankommen bin, hat eine Blaskappelle just unter dem Pilatus den Marsch "Gruss an Kiel" speelt.

Leve Lüüd, ich sage euch, das geht die bannig an die Nieren, so weit entfernt von de Heimat, so quasi auf der anderen Seite der Welt, wo man sich immer festhalten muss, weil man mit dem Kopf halb nach unten hängt, solche lieblichen Töne zu hören.
Da spielten die "Gruß an Kiel". Und ich hab den Refrain immer mitgesungen: Gruß an Bern, Gruß an Zürich, Gruß an Stans, Gruß an Rütli, Gruß an Pilatus.

Damit hab ich aber einen Berg gemeint, nachdem die Flieger benannt sind, die sie dort anbauen.


Und dann hab ich ganz herzlich den Chef von de Boote begrüßt und wie haben erst mal ein paar Flens kippt, die ich dort mit reingeschmuggelt hab. Und denn sind wie los. Ich steh mit einem von der Bergmarine am Bug des einen Schnellbootes, meine Mützenbänder vom Kieler Knabenanzug steihn hart im Wind, mit hartem Gesicht dem Wind getrotzt. Da bremsen die plötzlich ab und gehn vor Anker, ganz dicht unter Land.

Und denn, was glaubst du. Da kommt der Chef, ich weiss es ganz genau. Ein ganz hohes Tier. Ich hab mir das damals aufgeschrieben: Adjutant-Unteroffizier. Nicht so was wie Oberbootsmann und son Knaller oder der OberSmut oder Smadding oder Oberheizer oder wat auch immer.
Ein Adjutant-Unteroffizier. Da schreibst schon allein am Dienst-Grad ne halbe Stunde.

Und dieser Unaussprechliche sagt zu mir: "Still."
Ich schau mich um, niemand hat was gesagt, alle stehen wie angewurzelt und starren in die weite Ferne. Wat sehn die bloß?

Was wurde ich immer angeschrien, wenn ich mich nicht bewegen soll, und der sagt einfach "Still".

Ich mach denen das nach.

Und denn kommt er auf mich zu und sagt:
"Moses Zausel, ich befördere dich zum Oberzauselmoses, nei, Dammisiech, ich mein Obermoses Zausel".

Eigentlich fluchen Schweizer nicht in Gegenwart von Ausländern.

Leeve Lüüd, und das vor der ganzen geschichtsträchtige Rütliwiese. Ich sag euch, ich sehe das alles ganz realistisch, wie wenn der Tell nicht auf den Apfel schiesst sondern mir die Schulterstücke zur Beförderung auf die Schultern mit nem Pfeil festtackert.

Man war das noch ein Fest gewesen. Un nu bin ich auch ein "Ober".

Ob das von dem Geschichtlichen her so stimmt, ich weiss das nicht mehr, das wissen Luchsi oder Ashara und Gundula und Lars und andere ehrenhafte Helvetier besser )

Aber ich habe die Wahrheit gesagt

Geh mi an Land, dat wör ne scheune Tied west..... erinnert sich Zausel (OberMoses)