Thema: Radio Ostseemelodie :: Seemannsgarn von unserem Zausel

Geschrieben von Chris am 06.04.2018 um 11:14
#7

Auflärung vom Zausel - (Kleinesrainer)

Zausel antwortete am 31.10.03 (12:02):

Liebes "Strümpfchen",

Deine Aussage hat mich wieder motiviert, intensiver nach wat zu schauen.
Du hast die Ritter vergessen, diese dem Zausel besonders naheliegende Spezies. Nicht zu verwechslen die "Armen Ritter". Dat is wat anneres.

Un darüber hat der Marcel Egloff, Pegasus Consulting GmbH, 8706 Meilen, Switzerland (copyright) wat geschrieben.

Man soll ja der Vergangenheit nicht nachtrauern, doch ich finde es wichtig, endlich einmal darzulegen, wie schwer es ein Ritter in der heutigen Zeit hat.

Natürlich sehne ich das dunkle Mittelalter nicht wieder herbei, doch unsere Vorfahren hatten es in einigen Dingen sehr viel einfacher als wir heute.

Nehmen wir einmal an, dass ein Ritter einen guten Eindruck auf die Frau seines Herzens machen wolle. Früher hatte er viele Möglichkeiten zur Verfügung, wie zum Beispiel in einem Turnier zu brillieren, einen Drachen zu töten oder der Angebeteten Minnegesänge vorzutragen. Falls das alles nichts half, galt es als besonders schick, die Herzdame kurzerhand zu entführen, um sie dann in einem wildromantischen Schloss nach all den Regeln der Kunst zu verführen.

Was können wir Männer heute tun, wenn wir um die Gunst einer Frau ringen?

Kämpfe unter Männern um eine Frau sind heute verpönt. Eine Frau dadurch gewinnen zu wollen, ist genau so aussichtslos, wie wenn ich einen Eisberg mit einem Streichholz zum Schmelzen bringen möchte.

Einen Drachen zu finden, um ihn dann zu töten, liegt auch nicht mehr drin. Zum einen stehen diese Biester heute unter Artenschutz und zum anderen finden die meisten Frauen an den wilden Drachen mehr gefallen, als an den armen Rittern.

Da bleiben bloss noch die Minnegesänge. Doch das ist auch so eine Sache. Was singt man einer Frau vor, die sich seit ihrer frühesten Kindheit mit Techno hat berieseln lassen? Doch nicht etwa schwülstige Liebeslieder mit der Gitarre in Hand, oder? Heisse Liebesgedichte kommen in der Regel auch nicht an, da die Bewunderte im Kino und im Fernsehen schon die raffiniertesten Tricks gesehen hat, mit denen ein Mann versucht eine Frau herumzukriegen.

Dabei geht es uns Rittern gar nicht darum! Wir wollen die Frauen nicht herumkriegen, sondern wir suchen eine Frau, die wir bewundern, verehren und anbeten können. Eine Partnerin, die auch geneigt ist, unsere Qualitäten zu schätzen und so wie sie Frau ist, uns Mann sein lassen kann.

Könnte denn heutzutage vielleicht eine Entführung das Herz der Begehrten aufschliessen? Davor möchte ich alle zeitgenössischen Rittern ganz besonders warnen. Die Frauen der heutigen Zeit können mit nichts schlechter umgehen, als zeitweiligem Freiheitsentzug. Nein, das Erobern einer Frau gelingt heutzutage nur, wenn man ihr alle Freiheit schenkt, nichts von ihr verlangt und sie alles auf ihre Art und Weise machen lässt. Dass dies nicht mehr viel mit Erobern zu tun hat, muss ich wohl nicht weiter erläutern.

Doch die Sache hat auch ihre guten Seiten! Wir verletzen uns nicht mehr gegenseitig in unsinnigen Kämpfen, wir können den WWF nun mit einem gutem Gewissen unterstützen und müssen uns nicht mehr mühsam mit Poesie abrackern.

Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als das zu sein, was unsere wahre, ursprüngliche Natur als Mann und Ritter ist, uns nicht weiter anzustrengen und abzurackern und dabei zu hoffen, dass genau das zu der wahren, ursprünglichen Natur einer Frau und Dame passt.

Jawoll, meint Zausel